2020-07-16 Bericht Prime News

Tennis­cracks zieht es für vier Tage an Basler Turnier

 

An der «Cross­klinik Tennis Open» duel­lieren sich 350 Athleten. In Corona-Zeiten eine organisatorische Herausforderung.

 

Bei den Männern wird in zwei 128-Tableaus gespielt. Das heisst sieben Matches inklusive Final, wie bei einem Grand-Slam-Turnier. Bild: Crossklinik Tennis Open

 

 

von Melina Schneider

 

Es kommt wieder Leben in die Basler Sportwelt. Nebst den FCB-Matches, die seit einigen Wochen wieder ausgetragen werden, startet heute der bislang grösste Sportanlass in Basel seit der Corona-Pause: Die Internationalen Crossklinik Tennis Open.

 

Rund 350 Tennisspielerinnen und -spieler duellieren sich von Donnerstag bis Sonntag in Aesch, Riehen auf der Schützenmatte und im Margarethenpark um 30`000 Franken Preisgeld.

 

Darunter Top-Athleten wie Sandro Ehrat sowie die Nachwuchshoffnungen Leandro Riedi (Nummer 11 der Junioren-Weltrangliste) und der 17-jährige Jérome Kym. Bei den Frauen werden unter anderem die Schweizerinnen Viktorija Golubic oder Leonie Küng mit von der Partie sein. 

 

«Das Tableau ist so gut besetzt wie noch nie und wir haben mehr Anmeldungen denn je», sagt Kurt Schudel, als er Prime News in der Crossklinik zum Gespräch empfängt. Er organisiert das Turnier zusammen mit seinem Sohn Steven.

 

Kurz­fristige Absagen

Die organisatorische Herausforderung sei dementsprechend umso grösser: «Spielpläne erstellen, Adresslisten führen, Schutzkonzepte umsetzen», die To-do-Liste, die bis zu Turnierstart abgehakt werden muss, ist lang. «Eine stressige Zeit», erklärt Schudel.

 

Zudem seien von diversen Spielern kurzfristige Absagen eingegangen, weil sie sich nach der längeren Corona-Pause bei den ersten Turnieren verletzten. «Es gibt Schweizer, welche die Situation vielleicht unterschätzten und zu schnell wieder eingestiegen sind.»

 

Dennoch wirkt der 76-Jährige am Dienstagmorgen, zwei Tage vor Turnierbeginn, locker. Er ist froh, kann es überhaupt stattfinden. Die Schutzmassnahem des BAG und des Schweizer Tennisverbands hätten sich nämlich immer wieder geändert.

 

Normalerweise führen die Schudels das Turnier an Pfingsten durch. «Hätte ich zu diesem Zeitpunkt entscheiden müssen, wäre es wohl ins Wasser gefallen.» Vater und Sohn wollten jedoch abwarten.

 

Der 76-jährige Kurt Schudel organisiert das Turnier seit 16 Jahren. Sein Ziel sei es immer gewesen, Junioren gegen Erfahrene spielen zu lassen. Bild: Melina Schneider

 

 

Nun kann das Turnier zwar durchgeführt werden, Vorsicht ist aber dennoch geboten. «Ich merkte, dass ich die Lage ein wenig unterschätzt hatte. Viele Leute zeigen nämlich zu wenig Respekt vor dem Virus.»

 

Aufgrund dieser Fahrlässigkeit sei es seiner Meinung nach auch zum «Adria-Tour-Debakel» gekommen. Beim von Novak Djokovic initiierten Turnier, haben sich im Juni mehrere Profis mit dem Virus infiziert, inklusive Djokovic selbst. Ein solches Szenario gelte es zu verhindern: «Das darf nicht passieren», sagt Schudel entschieden.

 

Deshalb habe er von allen Spielern die Kontaktdaten gesammelt. Auf den Anlagen gilt es zudem Abstand zu bewahren, vor und nach den Spielen sollen die Hände gewaschen werden und Handshakes sind untersagt.

 

Damit sich auch das Publikum verteilt, werden die Matches mit den besser klassierten Spielern nicht nebeneinander stattfinden. Zugelassen seien pro Standort maximal 300 Zuschauer.

 

 

Spielplan wie bei Grand-Slam-Turnier

Der jetzige Zeitpunkt sei für die Tennis Open, bei der auch ausländische Akteure mitmischen, optimal, wie Schudel erklärt. «Die Spieler wollen an Turnieren teilnehmen, um wieder Spielpraxis und Preisgelder gewinnen zu können.» Von verschiedenen Seiten kam ihm zu Ohren, dass der Unterbruch den Spielern finanziell zusetze.

 

Allen voran der Schaffhauser Sandro Ehrat meldete sich im April und gab bekannt, dass ihm das Geld nur noch für kurze Zeit reiche. Da kam dem 76-Jährigen kurzerhand die Idee, einen Fonds ins Leben zu rufen.

 

Der Hilfstopf sei trotz Corona wider Erwarten schnell gefüllt worden. «Plötzlich meldete sich ein Sponsor nach dem anderen, das war überraschend», erklärt Schudel, der seinerseits 17 Jahre lang für die Swiss Indoors arbeitete.

 

Rund 23`000 Franken sind es nun, die nebst dem Preisgeld von 30`000 Franken, am Ende des Turniers auf die besten zehn Schweizerinnen und Schweizer aufgeteilt werden.

 

Verschenken würden sie die finanziellen Mittel aber keineswegs. «Bei diesem Turnier muss für das Geld gearbeitet werden.» Immerhin sei der Spielplan mit sieben Matches inklusive Finalrunde gleich, wie bei einem Grand-Slam-Turnier angelegt. «Nur dass es bei uns vier Tage und nicht zwei Wochen dauert», sagt Schudel lachend.

 

 

Beim Turnier von Kurt und Steven Schudel entscheiden die Spieler selber über die Partie. Manchmal muss aber doch ein Schieds­richter hinzu­geholt werden. Bild: Crossklinik Tennis Open

 

 

Dass alles so reibungslos vonstatten geht, hätte er nicht erwartet. Die vier Vereine, TC Old Boys, TAB Aesch, TC Riehen und der Basler Lawn Tennis Club, auf deren Anlagen die Spiele ausgetragen werden, würden Schudel viel Arbeit abnehmen.

 

Auch das Hotel Gaia sei wieder mit von der Partie und beherberge die Athleten – die bestrangierten gar gratis. «Das ist angesichts der hohen Einbussen, die sie aufgrund der Corona-Krise zu verzeichnen haben, nicht selbstverständlich.»

 

Schudel, der für die Crossklinik im Marketing tätig ist, wirkt passioniert, wenn er über sein Turnier spricht. Mittlerweile hat sein Sohn Steven, der seinerseits eine eigene Tennisschule führt, das Zepter übernommen. Trotzdem ist Kurt Schudel immer noch voll bei der Organisation mit dabei und das schon seit 16 Jahren.

 

«Anfangs wollte niemand daran glauben, dass ein Turnier, bei dem Junioren auf erfahrene Profispieler treffen, funktioniert.» Der 76-Jährige habe aber immer an den Erfolg geglaubt. Er sollte Recht behalten.

 

Mittlerweile sind über 50 Prozent der Teilnehmenden Junioren. Doch nicht nur die grosse Altersdurchmischung mache dieses Turnier so speziell, sondern auch der Umstand, dass die Spiele nicht von Schiedsrichtern geleitet werden.

 

«Bei mir zählt der Fairnessgedanke. Jeder entscheidet auf seiner Seite.» Und komme es vermehrt zu Diskussionen, könne immer noch einer der Schiedsrichter, die auf den Anlagen anwesend sind, hinzugezogen werden.

 

 

https://primenews.ch/articles/2020/07/tenniscracks-zieht-es-fuer-vier-tage-basler-turnier