2016-05-13 Zeitungsbericht aus der BAZ

Mit Herzblut und klarer Linie

Das Crossklinik Tennis Open Basel bringt rund 300 Ambitionierte ans Rheinknie

Von Beat Caspar

 

Basel. Der Bolivianer Hugo Dellien (ATP 498) und Schweizer Meister Yann Marti (AP 345) sowie die Serbin Nastasa Zoric (einst WTA-Nr. 388) führen die 98 respektive 80 Namen starken Hauptfelder der zwölften Auflage destraditionellen Pfingstturniers an. Ehe am Montag die vier Sieger geehrt werden können, sind rund 300 Matches nötig. Allein der Umfang der vier Konkurrenzen – bei den Männern 98 im N1/R2 und 92 im R2/R6, bei den Frauen 80 und 47, was schweizweit sonst nicht erreicht wird–machen aus dem Turnier einen Grossanlass.Dabeistimmt auch dieQualität, wenngleich Glücksfälle wie 2015 mit Sieger Marco Chiudinelli und vor drei Jahren Timea Bacsinszky diesmal fehlen. Fünf Spieler und drei Spielerinnen haben in den Swiss-Tennis-Rankings Top-Ten-Niveau. Wer zu den 16 Gesetzten gehört, ist mindestens Top 30. Stark vertreten ist der Nachwuchs. In den Spitzenkonkurrenzen sind 32 Männer 18-jährig und jünger, bei den Frauen gar 48, von denen vier gesetzt werden konnten. Nimmt man die unteren Felder hinzu, erhöht sich die Juniorenquote (18 und jünger) auf mehr als die Hälfte. Die grossen Unterschiede bezüglich Alter und Leistungsstärke entsprechen dem Konzept des Turniers von Initiant Kurt Schudel und Sohn Steven Schudel. Sie wollten schon immer dem besten Nachwuchs der Region und des Landes Vergleichsmöglichkeiten mitstarken Spielern eröffnen. «Wo Routiniers Talente testen» würde sich als Slogan bestens eignen. In der finalen Phase setzte sich in den letzten Jahren allerdings stets die Erfahrung durch. Eine zwölfjährige Siegerin wie 2001 in der Person von Timea Bacsinszky wird vielleicht für immer einmalig bleiben. Keine Frage, das Crossklinik-Open hat sich längst zum mit Abstand besten Tennisturnier in der Region nach den Swiss Indoors entwickelt. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Kurt Schudel erklärt, «alle haben mir prophezeit, ich werde mit meinen Vorstellungen Schiffbruch erleiden. Das Gegenteil ist der Fall, es funktioniert. Dass über 50 Prozent der Teilnehmenden im Juniorenaltersind, ist für mich das Erfreulichste.» Zum Wohle der Spieler Ein Selbstläufer ist der Grossanlass trotzdem nicht. «Knochenarbeit» nennt es Schudel, das Budget und die Felder zusammenzubringen. So hat er, wie er sagt, in den letzten Wochen «über hundert Telefonate» geführt, um frühere Teilnehmer, die sich nicht angemeldet hätten, wieder nach Basel zu bringen. Diese persönliche Note sei ein Mosaiksteinchen im Puzzle des Erfolgs. Andere seien die treuen Partner und Sponsoren und die allgemeine Einstellung, «die Spielersind unsere Gäste, wir betrachten uns alsGastgeber, nicht alsFunktionäre». Würden alle Organisatoren mit der gleichen Konsequenz arbeiten, die Turnierszene in der Region sähe wohl etwas anders aus. Esist gar nicht extrem lange her, da gab es hier nicht nur die Swiss Indoors und dann lange nichts mehr. Doch sportlich hochstehende Anlässe wie BLTC-Cup und OBDamen-Turnier, Bächliacker-Frühjahrscup und zuletzt CorpoSana Indoors sind gekommen und gegangen. Mal scheiterte die Finanzierung, mal fehlte es an Führungspersönlichkeiten, Ehrenamtlichen oder einem Termin. Auch war die Schweizer Spitze inklusive der Junioren immer weniger auf heimische Anlässe angewiesen. Heute sind schon die Jüngsten eifrig international unterwegs, um an Junioren-, ITF- und Challenger-Turnieren Punkte zu sammeln. Unterschiedliche Interessen Auch die Verlegung des NLA-Interclubs in den Hochsommer hatte Folgen. Die willkommene Freiluftvorbereitung entfiel. Dem BLTC-Cup, der 1993 vom Schweden Jürgen Windahl gegen den späteren Federer-Coach Peter Carter gewonnen wurde, kam so die Spielerbasis abhanden.Der OB-Damen-Cup mit Martina Hingis als zweimaliger Gewinnerin (1993 im Final gegen Patty Schnyder) wollte zu neuen Ufern aufbrechen, doch einerseits konnte nicht genügend Geld aufgetrieben werden und andererseits fand das Engagement des ein Vierteljahrhundert als Macher geltenden Seppli Kacovsky bei OB ein unrühmliches Ende. Zwar gab es später eine Art Nachfolgelösung, aber das PreCon Ladies Open von 2001 mit Silvia Farina (WTA 19) als Nummer 1, Patty Schnyder, Mirka Vavrinec oder Emmanuelle Gagliardi erwies sich als Eintagsfliege. Der damalige Turnierdirektor Thomas Wirz blickt mit Wehmut auf das Scheitern zurück. «Interne Schwierigkeiten», vor allem mit Stratos Martinis vom Titelsponsor und einem zwielichtigen Finanzchef, hätten dasAus desrund eine Million Franken teuren WTA-Turniers (140000 Dollar Preisgeld) bedeutet. Erfahrung mit dem Ende eines Traditionsevents hat Marc Zimmermann, heutiger «Deputy Tournament Director» der Swiss Indoors. Dreimal organisierte er als Nachfolger von Edgar Huwyler (bis 1997) den beliebten BächliackerFrühjahrs-Cup. Weil man bei Regen in die Halle wechseln musste, habe sich «ein Zielkonflikt» ergeben. Das Center löste die «wirtschaftliche Frage» so, dass es fortan einen grossen Seniorenanlass organisieren wollte. «Dafür war ich der Falsche», blendet Zimmermann zurück. Diesen Anlass gab es letztlich nie. Erst Anfang 20 und schon Ex-Turnier-Direktor ist Dennis Dambach. Der Münchensteiner organisierte im Januar 2015 als Maturarbeit die CorpoSana Indoors. Obwohl unter anderen Belinda Bencic startete und der Anlass in dem den Swiss Indoors gehörenden Paradies mit 15000 Franken Preisgeld ein Erfolg wurde, gibt es vorläufig keine Fortsetzung. Dambach hätte gern weitergemacht. «Ich habe ein Konzept präsentiert, aber die Halle nicht mehr erhalten», bedauert Dambach. Sein Ansprechpartner Marc Zimmermann nennt als Hauptgrund den «Zielkonflikt mit der TIF-Schule, an die wir unsere Plätze vermietet haben». Zudem sei der Aufwand des Restaurants gross und der Ertrag klein gewesen. Wie auch immer. Dambach schaut sich weiter um – und führt vom 6. bis 13. August bei OB ein internationales 14&U-Event durch. Er will so die gesammelten Erfahrungen nutzen.Und er, der am Crossklinik Open heute um 17 Uhr in Aesch spielt, wird dann Spieler begrüssen, die nun an Pfingsten seine Gegnersein könnten. 

Glücksfall Marco Chiudinelli. Vor Jahresfrist nahm der Profispieler aus dem Baselbiet am Crossklinik Open teil – und gewann die Konkurrenz. Foto Lucian Hunziker

 

 

 

12. Int. Crossklinik

Tennis Open Basel

Was? Internationales Tennisturnier mit je zwei

Konkurrenzen für Männer und Frauen (N1–R2

und R2–R6) mit insgesamt 317 Nennungen und

30 000 Franken Preisgeld – 6000/2800 für Sieger/Finalist,

4200/2100 für Siegerin/Finalistin

der Hauptkonkurrenzen; 1000 (Männer) resp.

750 Franken (Frauen) für die Siege in den R2/

R6-Tableaux; Preisgeld ab Viertelfinals.

Wann? Freitag ab 14 Uhr, Pfingstsamstag ab

8 Uhr, Sonntag ab 10 Uhr, Montag um 8.30/9 Uhr

Halbfinals Frauen; 10/11 Uhr Halbfinals Männer;

ab 13 Uhr Finals Frauen und Männer.–Die ersten

Auftritte der topgesetzten Hugo Dellien

(Bolivien) und Nastasa Zoric (Serbien) sind am

Samstag um 9.30 Uhr auf Old Boys respektive

11 Uhr auf BLTC vorgesehen.

Wo? Tennisplätze des Basler LTC (Gundeldingerstrasse

1a), Old Boys (St.-Galler-Ring 225),

Riehen (Grendelmatte), Tennis an der Birs Aesch

(Industriestrasse 151).–Bei schlechter Witterung

Dislokation nach Aesch und Allschwil

(Paradies und Vitis). – Infos: Turnierbüro

(061 272 69 42) und www.int.crossklinikcup.ch

oder www.swisstennis.ch, Turnier Nr. 100234). –

Freier Eintritt.