2016-05-18 Zeitungsbericht aus der BAZ

Roshardt und Stadler feiern

Trotz Wetterpech war das internationale Crossklinik Tennis Open ein voller Erfolg

Von Beat Caspar Basel.

Robin Roshardt vermag bei unterschiedlichsten Bedingungen hochstehendes Tennis abzurufen. Hatte die einst grosse Schweizer Tennishoffnung 2011 in Basel bei staubtrockener Hitze erstmals den Titel geholt, trotzte er diesmal garstigen, kühlnassen Bedingungen, die zum Verdruss vieler zu Improvisationen mit Wechseln in die verschiedensten Hallen auf unterschiedliche Beläge zwangen. Auch die körperlichen Anstrengungen von sechs Matches innert dreier Tage machten Roshardt (Nr. 4) offensichtlich weniger aus als seinem Finalgegner Romain Jouan. Der bald 31-jährige Franzose, einst ATP 209, jedenfalls sagte nach dem verlorenen Endspiel, er sei «gekocht, ich habe nicht mehr die Beine gehabt, um in den längeren Ballwechseln auf Dauer mithalten zu können». Dem Publikum des internationalen Crossklinik Tennis Open fiel das kaum auf. Es zeigte sich beeindruckt von Tempo und Präzision. Roshardt, der sich mit dem 6:3, 7:5- Sieg 6000 der total 30 400 Franken Preisgeld sicherte, absolvierte den Titelkampf wie schon den Halbfinal gegen Alexander Sadecky ausnehmend ruhig, konzentriert, schnörkel- und fast fehlerlos. Mit seiner Siegpremiere mochte er den zweiten Triumph in Basel nicht vergleichen, bilanzierte aber, «diesmal war das Feld viel stärker, ich bin auf einem anderen Niveau und musste sehr gute Spieler schlagen». Im Unterschied zu allen anderen, die am Montag noch dabei waren, meinte er, seine Beine seien «relativ frisch». War er in früheren Jahren eher fragil und mitunter zum Aufgeben gezwungen, präsentierte er sich diesmal sehr stabil. Als Grund für die positive Entwicklung nannte er einen gezielten konditionellen Aufbau im Winter. Auch scheint ihm nicht zu schaden, rund 30 Stunden pro Woche als Tennistrainer auf dem Platz zu stehen. Seit Oktober 2015 betreibt der 28-Jährige zusammen mit seinem jüngeren Bruder Luca eine Tennisschule und arbeitet mit 150 Junioren.

Ein Schweizer Frauenfinal

Anders als Roshardt äusserte sich Nina Stadler. «Sechs Matches in drei Tagen sind schon hart. Der Körper meldet sich an einigen Stellen», sagte die Ostschweizer Siegerin. Sie war bestens gelaunt, obwohl nach dem Endspiel wie alle Finalisten des Tages nochmals gefordert, denn die Dopingkontrolle dauerte mindestensso lange wie der bis zuletzt enge Match. Die Pfingstfahrt nach Basel lohnte sich für die Nummer 17 der Swiss-Tennis-Rangliste nicht nur der 4200 Franken Preisgeld wegen. Sie hatte erhalten, was sie benötigte. «Da ich mitten in der Schlussphase der Ausbildung stecke, kann ich Matchpraxis brauchen», meinte die 20-Jährige. Stadler steht vor den Lehrabschlussprüfungen. Dem Tennis ganz den Vorrang geben will sie erst als ausgebildete Kauffrau. Im Final erwies sie sich als druckvoller und weniger fehleranfällig als die 24-jährige Walliserin Sandy Marti, 22. des nationalen Rankings.Dass erstmals seit 2010 zwei Schweizerinnen im Final standen, hat mit dem diesmal frühen Termin und der Kollision mit der Roland-Garros-Qualifikation zu tun. Auch bei den Männern wirkte sich das zweite Grand-Slam-Turnier des Jahres und die ATP-Tour bis Basel aus. Der als Nr.2 gesetzte und ausgeloste Schweizer Meister Yann Marti zog den Start in der Qualifikation zum Geneva Open vor. Ihm persönlich nutzte das für Organisator und Publikum ärgerliche Manöver, denn Marti ergatterte in Genf mit dem 6:3, 6:2-Sieg gegen Crossklinik-Open-Vorjahressieger Marco Chiudinelli 6 ATP-Punkte und 2270 Euro Preisgeld. Um mehr zu verdienen, hätte er in Basel fünf Matches gewinnen und den Final erreichen müssen… Fehlte Marti ganz, so waren einige Topleute weniger lang dabei als angenommen. Zum Beispiel erlebte Serienfinalist Raphael Lustenberger (Nr. 5) in den Achtelfinals mit dem 6:7, 6:7 gegen Jacob Kahoun (11) eine böse Überraschung; der topgesetzte Bolivianer Hugo Dellien schied in den Viertelfinals mit 1:6, 1:6 gegen Sadecky (7) aus.

 

Nerven bewahrt. Nina Stadler (links) setzte sich im Endspiel gegen Sandy Marti durch.

 

Fühlt sich im Margarethenpark wohl. Der Zürcher Robin Roshardt ist der Sieger des Basler Pfingstturniers.

Fotos Lucian Hunziker