2009-06-02 Zeitungsbericht aus der BAZ

Bangkok–Basel–Bangkok

Beat Caspar

Man, Tae und Dobi – das sind die Rufnamen des thailändischen Juniorentrios, das der ehemalige Headcoach von Swiss Tennis am Crossklinik- Pfingstcupbetreute.

Ein diskretes «Tam», zu Deutsch «Mach!», kann mitunter hören, wer in der Nähe von Dominik Utzinger steht, wenn dieser irgendwo am Spielfeldrand gerade eine Partie eines seiner asiatischen Schützlinge verfolgt. Die Anweisung meint, sein Trio solle diktieren, nicht auf die Fehler des Gegenübers warten.

Utzinger hat viel zu tun an diesem Pfingstwochenende. Nuttanon «Man» Kadchapanan (15), Kittipong «Tae» Chienwichal (15) und Rongrong «Dobi» Leenanbanchong (14) starten am 5. Crossklinik- Pfingstcupin beiden Konkurrenzen. Das können sie, weil sie als R2 angemeldet wurden. Für zwei des Duos trifft das in etwa zu, Man hingegen ist leistungsmässig klar weiter. Seine Ergebnisse zeigen es. In der Hauptkonkurrenz schlägt er Sebastian Geigle (im Swiss Tennis-Ranking als Nummer 67 geführt) und Mario Eckardt (Nr. 20!) und wird erst im Achtelfinal vom überraschenden Turniersieger Roman Valent, dem Wimbledon-Juniorenchampion 2001, gestoppt. Im R2/R6-Event entscheidet er den reinen Thai-Final für sich. Damit hat es sich nicht, denn nebenher gewinnt er auch noch das Novartis-Pfingstturnier.

Marathonmann. Elf Einzel in vier Tagen, das klingt nach sehr viel für einen 15-Jährigen. Der Junge schüttelt den Kopf (der englischen Sprache ist er noch nicht mächtig, da besteht Nachholbedarf), sein Betreuer sagt, «es schadet nicht, mal an die körperlichen Grenzen zu gehen. Er erholt sich schnell.» Diesbezüglich nützliche Hinweise erhält Utzinger hier durch die vom Titelsponsor offerierten medizinischen Tests. Er sieht: «Ausdauer und Stehvermögen sind steigerungsfähig.» Dem Beobachter fällt das nicht auf. Man und Tae verwickeln ihre Gegner vorwiegend in lange Abnützungskämpfe.

Das passt Utzinger durchaus. Der ehemalige Chef Leistungssport von Swiss Tennis erklärt: «Ziel unserer fünfwöchigen Reise hierher war, dass sie möglichst viele Matches haben, möglichst viel Erfahrung auf Sand sammeln. Dazu gibt es in Asien aus klimatischen Gründen keine Gelegenheit. Und Tennis auf Sand ist nun mal die Basis des Spiels. Auf Hartplätzen lernt man zu wenig, wie Ballwechsel geführt werden müssen und wie man Punkte konstruiert. Da geht es zu schnell.»

Mit den Fortschritten seiner Schüler ist Utzinger zufrieden. Er sei ein fordernder, geradliniger Trainer, sagt der Inhaber einer Tennisschule in Bangkok, wo er mit zwei Angestellten arbeitet und selber vor allem Nachwuchsleute betreut, die professionell Tennis spielen möchten. Der inzwischen 46-jährige Basler Ex-Profi, der es im ATP-Ranking bis auf die Positionen 288 (Einzel) und 155 (Doppel) gebracht hatte, arbeitet nach der Maxime, «versuchen, die Fehler zu verhindern, die ich machte». Er meint damit, er habe sich seinerzeit nicht hundertprozentig auf Tennis fokussiert und weiss aus Erfahrung: «Ohne totales Engagement geht es nicht.»

Dass Utzinger seine Brötchen seit dem Abgang bei Swiss Tennis in Thailand verdient, hat eine lange Vorgeschichte. Sie beginnt 1992 nach dem Jus-Studium. Eine einmonatige Motorradtour in Thailand vor dem ersten Praktikum war derart faszinierend, dass er danach alle Ferien in Asien verbrachte und «ich seither immer mit einem Wechsel dorthin liebäugelte». Doch Utzinger trieb vorerst seine juristische Karriere voran, arbeitete 1995 bis 1998 als Staatsanwalt, ehe er Opfer einer Justizaffäre wurde. «Ein Schock» sei das damals gewesen, heute betrachtet er es als gute Fügung. «Es ist gut, dass es passierte, ich habe viel Schönes erlebt», sagt Utzinger. Auf Tennisplätzen fühle er sich eh am wohlsten, und mit dem Nachwuchs zu arbeiten bereite ihm den grössten Spass. Der Berufung in Thailand nachgehen zu können, betrachtet er als Privileg. Und wer weiss, vielleicht geht auch der Familienwunsch des Baslers in festen thailändischen Händen noch in Erfüllung. Wenn das «Tam» dann mal eigenen Kindern gilt, ist das Glück perfekt.

2009-05-29-2 Zeitungsbericht aus der BAZ

Bezwinger von Agassi in Basel

Beat Caspar

Auch wenn das ganz grosse Tennis zurzeit in Roland Garros stattfindet, ist auf Basler Sandplätzen am langen Pfingstwochenende sehr viel los und hochkarätiger Sport zu erwarten.

Der Crossklinik Pfingstcup2009 setzt eine neue Bestmarke. Nie waren die Teilnehmerfelder des Anlasses auf den Anlagen des BLTC (Zentrum), TC Schänzli im St. Jakob und TC Helvetia (Bachgraben) grösser und dichter besetzt. Im Haupttableau der Männer mit 80 Teilnehmern musste unter den ersten 30 der Rangliste von Swiss Tennis sein, wer zu den 16 Gesetzten gehören wollte. 50 N-Spieler sind am Start.

Das ist ein Drittel der national klassierten Spieler mit einer Lizenz von Swiss Tennis (N1 bis N4). Das sind nicht nur Schweizer wie die talentierten Robin und Luca Roshardt, der einstige Wimbledon-Junioren-Champion Roman Valent oder die früheren Pfingstcup-Titelgewinner Mathieu Guenat, Frédéric Nussbaum und Yannick Thomet, das sind auch hier tätige Argentinier, Deutsche und Franzosen.

ATP-Rang 106. Der Spieler mit der bedeutendsten professionellen Vergangenheit ist Nicolas Thomann. Der mittlerweile 37-jährige Franzose aus Mulhouse kletterte in seinen zehn Jahren als Berufsspieler bis auf ATP-Rang 106 (August 2003). Reich wurde der vorwiegend auf Challenger-Stufe aktive Elsässer nicht. Zwischendurch feierte er aber auch auf der ATP-Tour Erfolge. Er überstand häufig die Qualifikation, so zum Beispiel an den Davidoff Swiss Indoors 2000, als er dann nach Siegen gegen Nicolas Escudé (ATP 42) und Nicolas Lapentti (17) erst in den Viertelfinals an Roger Federer (34) scheiterte. Der mit Abstand berühmteste Name auf seiner Liste geschlagener Gegner (u. a. Volandri, Stepanek, Benneteau, Kiefer, Karlovic, Gulbis) ist Andre Agassi. 2001 in Atlanta schlug Thomann den damaligen Weltranglisten-Dritten aus den USA in der ersten Runde in zwei Sätzen.

Am Pfingstcupist Thomann als Nummer 15 gesetzt und hat in der ersten Runde ein Freilos. Sein Startspiel gegen Yannic Wymann (Nr. 138) ist am Samstag um 14.30 Uhr auf dem BLTC angesetzt. In den Achtelfinals (Sonntag, 10 Uhr) ist ein Duell mit Mathieu Guenat (Nr. 4), Turniergewinner 2006, eine Möglichkeit. Leicht wird es der erfahrene Elsässer auf jeden Fall nicht haben, den Siegerscheck über 3000 Franken zu holen. Bei den Frauen warten 2200 Franken auf die Siegerin.

Das Gesamtpreisgeld konnte dank dem grossen Einsatz der Turnierpromotoren Hansruedi Baumann und Kurt Schudel trotz Wirtschaftskrise auf dem Vorjahresniveau von 20 000 Franken gehalten werden. Einen kleinen Abstrich gibts trotzdem, denn anders als in den letzten drei Jahren entfällt der attraktive Sieger-Bonus einer Wildcard für die kommenden Swiss Indoors. Das hat nicht im Entferntesten mit der Qualität des Pfingstcups zu tun.

Roger Brennwald hätte gern am Brauch festgehalten, doch nach dem Aufstieg seines Turniers in die Kategorie ATP World Tour 500 stehen ihm für das auf 16 Teilnehmer halbierte Qualifying nur noch zwei statt wie früher vier Wildcards zur Verfügung. «Damit sind wir sehr eingeschränkt», bedauert Brennwald, der seine Sonderprämie letztes Jahr an der Preisverleihung höchstpersönlich überreichte. Dem Turnier bleibe er trotzdem verbunden, sagt der Chef des aufwendigsten Schweizer Sportanlasses. So berappt er beispielsweise die Grafik des Plakats.

Crossklinik PfingstcupLetzte Siegerinnen N1/R2

2008 Marina Novak

2007 Muriel Wacker

2006 Tina Schmassmann

2005 Laura Bao

2004 Stefanie Vögele

Letzte Sieger N1/R2

2008 Yannick Thomet

2007 Fabian Rötschi

2006 Mathieu Guenat

2005 Frédéric Nussbaum

2004 Theodor Craciun

2008-05-15 Zeitungsbericht aus der BAZ

Gut mit Hut tut Gutes

Historischer Moment: Davidoff-Swiss-Indoors-Boss Roger Brennwald übergibt auf dem Centre Court des BLTC Grand-Casino- Pfingstcup-Sieger Yannick Thomet die Wildcard für sein Qualifying – zur immensen Freude von Kurt Schudel, seinem einstigen engen Mitarbeiter.

Huch, wer steht denn da in der Basler Innenstadt und rockt auf der Gitarre wie einst Elvis Presley? Ein Eishockeyaner des EHC Basel, der noch etwas Aufmerksamkeit erhaschen will mit einem Abstiegsblues? Ein alter Schnitzelbänkler, der seine Verse noch einmal zum Besten geben will, obwohl es längst Mai ist? Oder ein auf Medikamente gesetzter Mitt-Dreissiger, der den Wunsch hat, das Kammerorchester zu belästigen? Vergessen Sie es – der Herr mit Hut heisst Gut. Das heisst nicht, dass immer alles gut ist, was Gut tut, diesmal war es aber so, denn Herr Gut, gerne Oliver genannt, hat seine Herzensdame Doris geehelicht. Bevor er dies tun durfte, wetzte der Kollege von der baz-Sportredaktion mit Instrument bewaffnet durch die Stadt, trank den ganzen Abend nur Isostar und hofft ganz fest, dass oben stehendes Paparazzi-Bild niemals den Weg in die Klatschpresse findet. Was hiermit der Fall ist. Viel Glück den Turteltäubchen wünschtPeer Pleks

2009-05-29-1 Zeitungsbericht aus der BAZ

5. Crossklinik Pfingstcup

Was? Der bisherige Grand Casino Pfingstcup heisst neu Crossklinik Pfingstcup. Das Turnier, für das sich
157 Männer und 76 Frauen eingeschrieben haben, ist mit 20 000 Franken dotiert. Gespielt wird in je zwei
Männer- und zwei Frauenkonkurrenzen (N1/R2 und R2/R6). – Aus den Gesetztenlisten.
Männer N1/R2: 1 Theodor Craciun Dacian (Swiss-Tennis-Ranking 5), 2 Cristian Villagran (6),
3 Robin Roshardt (7), 4 Mathieu Guenat (11), 5 Frédéric Nussbaum (12), 6 Yannick Thomet (13), 
7 Mario Eckardt (20), 8 Leonel Alberti (20). – Frauen N1/R2: 1 Gaëlle Widmer (6), 2 Céline Cattaneo (9), 
3 Xenia Knoll (15), 4 Karin Hechenberger (16). – Männer R2/R6: 1 Celien Roschi, 2 Severin Lendi. – 
Frauen R2/R6: 1 Vanessa Imhof, 2 Sara Müller.
Wann? Freitag (ab 14.30 Uhr; 16 Uhr/ BLTC: Danilo Casanova–Pascal Diemand und Michael Koran–Basile Page; 
17.30 Uhr/Schänzli: Peter Frey–Patrick Käser; 19 Uhr/BLTC: Tina Schmassmann– Natalja Kamenschikowa),
Samstag (ab 8.30 Uhr), Sonntag (ab 10 Uhr), Montag (ab 9 Uhr Halbfinals, ab 13 Uhr Finals).
Wo? Auf den Plätzen der Clubs BLTC (Margarethenpark), Schänzli (St. Jakob) und Helvetia (Bachgraben).

2008-05-13 Zeitungsbericht aus der BAZ

Verdienter Sieg für starken Thomet

Ein Jurassier gewinnt das stark besetzte Basler Pfingstturnier
THOMAS WIRZ
Yannick Thomet und Marina Novak holten sich das erste Preisgeld beim mit insgesamt 20 000 Franken dotierten
4. Grand-Casino-Pfingst-Cup. Prachtvolles Pfingstwetter, von Beginn weg hochklassiger Tennissport und ein Männerfinal,
der vom Niveau her die Erwartungen des zahlreichen Publikums zu erfüllen wusste: Der 4. Grand-Casino-Pfingst-Cup auf 
der BLTC-Anlage im Margarethenpark war in jeder Hinsicht ein Erfolg.

Derweil sich bei den Männern in der unteren Tableauhälfte nicht unerwartet Ivo Heuberger durchsetzte, gewann oben
in der Vorschlussrunde nicht der topgesetzte Pole Michal Przysiezny (ATP 409), sondern der als Nummer drei gesetzte 
Yannick Thomet. Der 20-jährige Jurassier rang die frühere ATP-Nummer 190 mit 2:6, 6:4, 7:5 nieder und holte sich 
damit das wertvollste Resultat seiner noch jungen Karriere. Seine glänzende Form vermochte die aktuelle Nummer 15 des
Swiss-Tennis-Rankings keine zwei Stunden später dann auch im Final zu bestätigen. Dank der gestern fast perfekt 
funktionierenden Vorhand dominierte er Routinier Heuberger vor allem im ersten Satz klar. Der 32-jährige Ostschweizer,
der lange Jahre zum Schweizer Daviscup-Kader zählte, hielt im zweiten Durchgang zwar besser mit, konnte indes seine 
Chancen nicht nutzen.

Sehr Konstant. «Ich bin selbst überrascht, wie konstant ich an diesem Turnier gespielt habe. Normalerweise ist just 
die Konstanz nicht meine Stärke», erklärte der Romand nach dem Erfolg, der ihm 3000 Franken Preisgeld und eine Wildcard 
fürs Qualifikationsturnier der Davidoff Swiss Indoors 2008 einbringt. Thomets Ziel in diesem Jahr ist eine namhafte 
Verbesserung in der Weltrangliste. Von der ATP-Position 960 will er sich unter die ersten 500 vorarbeiten. «Das Hauptproblem 
auf dem Weg nach oben ist, dass ich keinen persönlichen Coach habe. Das kann ich mir schlicht nicht leisten», 
meinte die Nachwuchshoffnung aus Moutier.

Von den regionalen Spitzenspielern hielt sich Stefan Kilchhofer in dem mit 43 N-Klassierten sehr starken Feld erwartungsgemäss 
am besten. Der als Nummer sieben gesetzte Sissacher überzeugte in seinen ersten Matches und hatte auch im Viertelfinal gegen 
Turnierfavorit Przysiezny seine Chancen. Weil er im ersten Satz aber eine 4:2-Führung und einen Breakball zum 5:2 nicht nutzen 
konnte, blieb er mit 4:6, 3:6 dann doch ohne echte Siegchance.

Bei den Frauen gewann die als Nummer fünf gesetzte Marina Novak gegen die positiv überraschende Tina Schmassmann 
(die Tessinerin mit Basler Wurzeln war als Nummer 72 des Rankings nicht mal gesetzt) mit 6:0, 6:3 zu klar, als dass 
Spannung aufgekommen wäre. Der sehr deutliche Finalsieg war insofern überraschend, als die Turniersiegerin schon am 
Morgen beim 4:6, 7:6, 7:6-Marathonerfolg über Milica Tomic über drei Stunden auf dem Platz gestanden hatte.