2016-05-18 Zeitungsbericht aus der BAZ

Roshardt und Stadler feiern

Trotz Wetterpech war das internationale Crossklinik Tennis Open ein voller Erfolg

Von Beat Caspar Basel.

Robin Roshardt vermag bei unterschiedlichsten Bedingungen hochstehendes Tennis abzurufen. Hatte die einst grosse Schweizer Tennishoffnung 2011 in Basel bei staubtrockener Hitze erstmals den Titel geholt, trotzte er diesmal garstigen, kühlnassen Bedingungen, die zum Verdruss vieler zu Improvisationen mit Wechseln in die verschiedensten Hallen auf unterschiedliche Beläge zwangen. Auch die körperlichen Anstrengungen von sechs Matches innert dreier Tage machten Roshardt (Nr. 4) offensichtlich weniger aus als seinem Finalgegner Romain Jouan. Der bald 31-jährige Franzose, einst ATP 209, jedenfalls sagte nach dem verlorenen Endspiel, er sei «gekocht, ich habe nicht mehr die Beine gehabt, um in den längeren Ballwechseln auf Dauer mithalten zu können». Dem Publikum des internationalen Crossklinik Tennis Open fiel das kaum auf. Es zeigte sich beeindruckt von Tempo und Präzision. Roshardt, der sich mit dem 6:3, 7:5- Sieg 6000 der total 30 400 Franken Preisgeld sicherte, absolvierte den Titelkampf wie schon den Halbfinal gegen Alexander Sadecky ausnehmend ruhig, konzentriert, schnörkel- und fast fehlerlos. Mit seiner Siegpremiere mochte er den zweiten Triumph in Basel nicht vergleichen, bilanzierte aber, «diesmal war das Feld viel stärker, ich bin auf einem anderen Niveau und musste sehr gute Spieler schlagen». Im Unterschied zu allen anderen, die am Montag noch dabei waren, meinte er, seine Beine seien «relativ frisch». War er in früheren Jahren eher fragil und mitunter zum Aufgeben gezwungen, präsentierte er sich diesmal sehr stabil. Als Grund für die positive Entwicklung nannte er einen gezielten konditionellen Aufbau im Winter. Auch scheint ihm nicht zu schaden, rund 30 Stunden pro Woche als Tennistrainer auf dem Platz zu stehen. Seit Oktober 2015 betreibt der 28-Jährige zusammen mit seinem jüngeren Bruder Luca eine Tennisschule und arbeitet mit 150 Junioren.

Ein Schweizer Frauenfinal

Anders als Roshardt äusserte sich Nina Stadler. «Sechs Matches in drei Tagen sind schon hart. Der Körper meldet sich an einigen Stellen», sagte die Ostschweizer Siegerin. Sie war bestens gelaunt, obwohl nach dem Endspiel wie alle Finalisten des Tages nochmals gefordert, denn die Dopingkontrolle dauerte mindestensso lange wie der bis zuletzt enge Match. Die Pfingstfahrt nach Basel lohnte sich für die Nummer 17 der Swiss-Tennis-Rangliste nicht nur der 4200 Franken Preisgeld wegen. Sie hatte erhalten, was sie benötigte. «Da ich mitten in der Schlussphase der Ausbildung stecke, kann ich Matchpraxis brauchen», meinte die 20-Jährige. Stadler steht vor den Lehrabschlussprüfungen. Dem Tennis ganz den Vorrang geben will sie erst als ausgebildete Kauffrau. Im Final erwies sie sich als druckvoller und weniger fehleranfällig als die 24-jährige Walliserin Sandy Marti, 22. des nationalen Rankings.Dass erstmals seit 2010 zwei Schweizerinnen im Final standen, hat mit dem diesmal frühen Termin und der Kollision mit der Roland-Garros-Qualifikation zu tun. Auch bei den Männern wirkte sich das zweite Grand-Slam-Turnier des Jahres und die ATP-Tour bis Basel aus. Der als Nr.2 gesetzte und ausgeloste Schweizer Meister Yann Marti zog den Start in der Qualifikation zum Geneva Open vor. Ihm persönlich nutzte das für Organisator und Publikum ärgerliche Manöver, denn Marti ergatterte in Genf mit dem 6:3, 6:2-Sieg gegen Crossklinik-Open-Vorjahressieger Marco Chiudinelli 6 ATP-Punkte und 2270 Euro Preisgeld. Um mehr zu verdienen, hätte er in Basel fünf Matches gewinnen und den Final erreichen müssen… Fehlte Marti ganz, so waren einige Topleute weniger lang dabei als angenommen. Zum Beispiel erlebte Serienfinalist Raphael Lustenberger (Nr. 5) in den Achtelfinals mit dem 6:7, 6:7 gegen Jacob Kahoun (11) eine böse Überraschung; der topgesetzte Bolivianer Hugo Dellien schied in den Viertelfinals mit 1:6, 1:6 gegen Sadecky (7) aus.

 

Nerven bewahrt. Nina Stadler (links) setzte sich im Endspiel gegen Sandy Marti durch.

 

Fühlt sich im Margarethenpark wohl. Der Zürcher Robin Roshardt ist der Sieger des Basler Pfingstturniers.

Fotos Lucian Hunziker

2016-05-16 Zeitungsbericht aus der BZ

CROSSKLINIK OPEN

Schweizer spielten die besten Bälle

 

Der Zürcher Robin Roshardt sichert sich in einem begeisternden Finalspiel gegen Romain Jouan (Fr) seinen zweiten Titel in Basel. Bei den Frauen schwang die Ostschweizerin Nina Stadler obenaus.

 

Wer die Halbfinalpartien der Männerkonkurrenz gesehen hatte, der konnte sich auf ein spektakuläres Endspiel freuen. Dies, weil sich Romain Jouan (N 2, 11) und Robin Roshardt (N 1, 7) mit grossartigen Leistungen für das finale Duell um den Titel bei der zwölfen Ausgabe des Crossklinik Open qualifizieren konnten.

Jouan, der 2012 als Nummer 209 der Welt sein bestes Ranking erreicht und drei Jahre zuvor in der ersten Runde der French Open in Paris gegen die ehemalige Weltnummer 1 Andy Roddick gespielt hatte, schlug in seinem Halbfinal gegen Überraschungsmann Nikolai Haessig (N 3, 65) Winner um Winner mit einer Leichtigkeit, die beeindruckte. 6:0, 6:2 lautete das Verdikt am Ende. Beinahe gleich souverän gewann Robin Roshardt gegen seinen Kumpel und Interclub-Teamkollegen Alexander Sadecky (N 2, 12). 6:3, 6:0 lautete das Resultat in diesem Duell.

Roshardt so stark wie nie

Das Finalspiel konnte den hohen Erwartungen standhalten. Turnierleiter Steven Schudel meinte sogar, es sei eines der besten Finalspiele des Crossklinik Open, an die er sich erinnern könne. Roshardt und Jouan lieferten sich zahlreiche spektakuläre Ballwechsel, wobei es im ersten Satz der Schweizer war, der weniger Fehler beging und mit 6:3 die Oberhand behielt.

Im zweiten Satz steigerte sich Jouan, der seine Ambitionen als Profi vor drei Jahren aufgrund der Folgen einer Schulterverletzung beendet hatte und seither seinen Lebensunterhalt mit Teilnahmen an Preisgeldturnieren bestreitet.

Er agierte aggressiver und diktierte mit seiner starken Vorhand die Ballwechsel. Doch Roshardt hielt in beeindruckender Manier dagegen und realisierte seinerseits das entscheidende Break zum 6:5. Wenig später servierte Roshardt das Match mit 6:3, 7:5 nach Hause und konnte sich damit zum zweiten Mal in die Siegerliste des Crossklinik Open eintragen lassen. «Ich wusste, dass es gegen Romain ein sehr enges Spiel geben würde. Es war ein super Match, und ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung. So gut, wie ich im Moment spiele, habe ich noch nie gespielt», freute sich der Zürcher.

Stadler behält die Nerven

In der Frauen-Konkurrenz, die in diesem Jahr mit 80 Teilnehmerinnen so gross war wie nie zuvor, kam es zu einem reinen Schweizer Finale, was die Turnierorganisatoren besonders freute. Nina Stadler (N 2, 17) und Sandy Marti (N 2, 22) schenkten sich nichts und lieferten sich viele hart umkämpfte Ballwechsel. In den entscheidenden Situationen agierte Stadler etwas konsequenter als ihre Kontrahentin und konnte das Match mit 7:6, 6:4 für sich entscheiden.

«Am Ende wurde es zwar unnötigerweise noch einmal eng, nachdem ich bereits 5:2 und 40:0 geführt hatte, aber Hauptsache, ich konnte das Match doch noch gewinnen», meinte Stadler stolz, die auf dem Weg zum Titel – genau wie Robin Roshardt – nicht weniger als sechs Matches gewinnen musste. «Das war schon sehr intensiv, und ich habe einige Blessuren davongetragen, aber jetzt habe ich auch eine Turnierpause, denn nächste Woche stehen meine KV-Lehrabschlussprüfungen an», erzählt Nina Stadler, die nach ihren Prüfungen voll auf die Karte Tennis setzen wird.

 

 

2015-05-26 Zeitungsbericht aus der BZ Basel

Davis-Cup-Helde Marco Chiudinelli gewinnt sein Heimturnier

 

 

Lockte viele Zuschauer an: Lokalmatador Marco Chiudinelli.

Quelle: Fabio Baranzini

 

Marco Chiudinelli gewann die 11. Ausgabe der Crossklinik Open in seinem Heimklub Old Boys Basel. Bei den Frauen bestätigte Salome Llaguno ihren Vorjahrestriumph. von Fabio Baranzini

 

Kommt er oder kommt er nicht? Das war die grosse Frage, welche die Organisatoren der Crossklinik Open beschäftigte. Er, das war Marco Chiudinelli. Lokalmatador, Davis-Cup-Sieger und Aushängeschild des Turniers. Am Samstagmorgen konnte Turnierdirektor Kurt Schudel aufatmen. Marco Chiudinelli landete kurz nach elf Uhr am Flughafen Basel, nachdem er am Vortag noch den Viertelfinal eines Challengerturniers in der Türkei bestritten hatte. «Ich fuhr danach kurz nach Hause, holte meine Sandschuhe und kochte mir schnell etwas zu Mittag. Dann gings bereits auf den Platz. Das war schon hart, aber ich habe es Kurt versprochen und daher war für mich klar, dass ich spielen werde», so Chiudinelli.

 

Vier Stunden nach der Landung trat der 33-jährige Baselbieter zum ersten Spiel in seinem Heimklub Old Boys Basel an. Auf Platz Nummer 1, so hatte es sich Chiudinelli gewünscht, denn auf diesem Platz hatte er vor seinem Einsatz in der Türkei noch trainiert. «Diesen Wunsch haben wir ihm gerne erfüllt, schliesslich war er sonst ein sehr unkomplizierter Spieler», sagte Kurt Schudel.

Marco Chiudinelli dankte es dem Organisator, indem er sich nach einem Freilos durch fünf Runden bis in den gestrigen Final gekämpft und als Publikumsmagnet viele Zuschauer angelockt hatte. Im Endspiel traf er auf Raphael Lustenberger (N1, 6). Der klein gewachsene Innerschweizer gehört – obwohl er seine Profiambitionen seit längerem begraben hat – noch immer zu den besten Schweizer Tennisspielern. Das hat der 26-Jährige mit der zweiten Finalqualifikation an den Crossklinik Open in Folge eindrücklich bewiesen.

Spektakuläre Ballwechsel

Die Partie zwischen Lustenberger und Chiudinelli bot beste Unterhaltung. Die beiden lieferten sich intensive und spektakuläre Grundlinienduelle, wobei Chiudinelli einen Tick konstanter agierte und vor allem stärker servierte. Eine beachtliche Leistung, hatte der Baselbieter doch seit seiner Ellenbogenoperation im Dezember vor dem Turnier in Basel erst vier Ernstkämpfe bestritten. «Ich habe am letzten Turniertag wirklich gut gespielt und ich bin auch froh, dass der Ellenbogen gehalten hat.» Gegen Lustenberger setzte sich Marco Chiudinelli letztlich souverän mit 6:3, 6:2 durch. «Ich wollte dieses Turnier in meinem Heimklub unbedingt gewinnen. Deshalb habe ich mich auch auf jedes Match seriös vorbereitet und jeden Gegner ernst genommen», erklärt Chiudinelli, der in den nächsten Wochen wieder auf der ATP-Tour Fuss zu fassen versucht.

Llaguno überrascht sich selbst

Bei den Frauen gewann Vorjahresfinalistin Salome Llaguno (N1, 8). Die 32-jährige Argentinierin trieb mit ihrem unbequemen Sandplatzspiel die Gegnerinnen zur Verzweiflung. Im Finale konnte sie dann sogar die eigentlich stärker einzustufende Xenia Knoll (N1, 8) – aktuelle Weltnummer 265 und Mitglied des Schweizer Fed Cup Teams – in die Schranken weisen. Und das überraschend deutlich mit 6:3, 6:1, nachdem sie zu Beginn der Partie noch mit 1:3 im Rückstand gelegen hatte. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich dieses Turnier wirklich gewinnen kann, denn ich war nicht sonderlich gut in Form. Doch je länger das Turnier gedauert hat, desto besser kam ich in Fahrt. Im Final spielte ich richtig gut“, freute sich die Argentinierin.

(bz Basel)

 

2016-05-13 Zeitungsbericht aus der BAZ

Mit Herzblut und klarer Linie

Das Crossklinik Tennis Open Basel bringt rund 300 Ambitionierte ans Rheinknie

Von Beat Caspar

 

Basel. Der Bolivianer Hugo Dellien (ATP 498) und Schweizer Meister Yann Marti (AP 345) sowie die Serbin Nastasa Zoric (einst WTA-Nr. 388) führen die 98 respektive 80 Namen starken Hauptfelder der zwölften Auflage destraditionellen Pfingstturniers an. Ehe am Montag die vier Sieger geehrt werden können, sind rund 300 Matches nötig. Allein der Umfang der vier Konkurrenzen – bei den Männern 98 im N1/R2 und 92 im R2/R6, bei den Frauen 80 und 47, was schweizweit sonst nicht erreicht wird–machen aus dem Turnier einen Grossanlass.Dabeistimmt auch dieQualität, wenngleich Glücksfälle wie 2015 mit Sieger Marco Chiudinelli und vor drei Jahren Timea Bacsinszky diesmal fehlen. Fünf Spieler und drei Spielerinnen haben in den Swiss-Tennis-Rankings Top-Ten-Niveau. Wer zu den 16 Gesetzten gehört, ist mindestens Top 30. Stark vertreten ist der Nachwuchs. In den Spitzenkonkurrenzen sind 32 Männer 18-jährig und jünger, bei den Frauen gar 48, von denen vier gesetzt werden konnten. Nimmt man die unteren Felder hinzu, erhöht sich die Juniorenquote (18 und jünger) auf mehr als die Hälfte. Die grossen Unterschiede bezüglich Alter und Leistungsstärke entsprechen dem Konzept des Turniers von Initiant Kurt Schudel und Sohn Steven Schudel. Sie wollten schon immer dem besten Nachwuchs der Region und des Landes Vergleichsmöglichkeiten mitstarken Spielern eröffnen. «Wo Routiniers Talente testen» würde sich als Slogan bestens eignen. In der finalen Phase setzte sich in den letzten Jahren allerdings stets die Erfahrung durch. Eine zwölfjährige Siegerin wie 2001 in der Person von Timea Bacsinszky wird vielleicht für immer einmalig bleiben. Keine Frage, das Crossklinik-Open hat sich längst zum mit Abstand besten Tennisturnier in der Region nach den Swiss Indoors entwickelt. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Kurt Schudel erklärt, «alle haben mir prophezeit, ich werde mit meinen Vorstellungen Schiffbruch erleiden. Das Gegenteil ist der Fall, es funktioniert. Dass über 50 Prozent der Teilnehmenden im Juniorenaltersind, ist für mich das Erfreulichste.» Zum Wohle der Spieler Ein Selbstläufer ist der Grossanlass trotzdem nicht. «Knochenarbeit» nennt es Schudel, das Budget und die Felder zusammenzubringen. So hat er, wie er sagt, in den letzten Wochen «über hundert Telefonate» geführt, um frühere Teilnehmer, die sich nicht angemeldet hätten, wieder nach Basel zu bringen. Diese persönliche Note sei ein Mosaiksteinchen im Puzzle des Erfolgs. Andere seien die treuen Partner und Sponsoren und die allgemeine Einstellung, «die Spielersind unsere Gäste, wir betrachten uns alsGastgeber, nicht alsFunktionäre». Würden alle Organisatoren mit der gleichen Konsequenz arbeiten, die Turnierszene in der Region sähe wohl etwas anders aus. Esist gar nicht extrem lange her, da gab es hier nicht nur die Swiss Indoors und dann lange nichts mehr. Doch sportlich hochstehende Anlässe wie BLTC-Cup und OBDamen-Turnier, Bächliacker-Frühjahrscup und zuletzt CorpoSana Indoors sind gekommen und gegangen. Mal scheiterte die Finanzierung, mal fehlte es an Führungspersönlichkeiten, Ehrenamtlichen oder einem Termin. Auch war die Schweizer Spitze inklusive der Junioren immer weniger auf heimische Anlässe angewiesen. Heute sind schon die Jüngsten eifrig international unterwegs, um an Junioren-, ITF- und Challenger-Turnieren Punkte zu sammeln. Unterschiedliche Interessen Auch die Verlegung des NLA-Interclubs in den Hochsommer hatte Folgen. Die willkommene Freiluftvorbereitung entfiel. Dem BLTC-Cup, der 1993 vom Schweden Jürgen Windahl gegen den späteren Federer-Coach Peter Carter gewonnen wurde, kam so die Spielerbasis abhanden.Der OB-Damen-Cup mit Martina Hingis als zweimaliger Gewinnerin (1993 im Final gegen Patty Schnyder) wollte zu neuen Ufern aufbrechen, doch einerseits konnte nicht genügend Geld aufgetrieben werden und andererseits fand das Engagement des ein Vierteljahrhundert als Macher geltenden Seppli Kacovsky bei OB ein unrühmliches Ende. Zwar gab es später eine Art Nachfolgelösung, aber das PreCon Ladies Open von 2001 mit Silvia Farina (WTA 19) als Nummer 1, Patty Schnyder, Mirka Vavrinec oder Emmanuelle Gagliardi erwies sich als Eintagsfliege. Der damalige Turnierdirektor Thomas Wirz blickt mit Wehmut auf das Scheitern zurück. «Interne Schwierigkeiten», vor allem mit Stratos Martinis vom Titelsponsor und einem zwielichtigen Finanzchef, hätten dasAus desrund eine Million Franken teuren WTA-Turniers (140000 Dollar Preisgeld) bedeutet. Erfahrung mit dem Ende eines Traditionsevents hat Marc Zimmermann, heutiger «Deputy Tournament Director» der Swiss Indoors. Dreimal organisierte er als Nachfolger von Edgar Huwyler (bis 1997) den beliebten BächliackerFrühjahrs-Cup. Weil man bei Regen in die Halle wechseln musste, habe sich «ein Zielkonflikt» ergeben. Das Center löste die «wirtschaftliche Frage» so, dass es fortan einen grossen Seniorenanlass organisieren wollte. «Dafür war ich der Falsche», blendet Zimmermann zurück. Diesen Anlass gab es letztlich nie. Erst Anfang 20 und schon Ex-Turnier-Direktor ist Dennis Dambach. Der Münchensteiner organisierte im Januar 2015 als Maturarbeit die CorpoSana Indoors. Obwohl unter anderen Belinda Bencic startete und der Anlass in dem den Swiss Indoors gehörenden Paradies mit 15000 Franken Preisgeld ein Erfolg wurde, gibt es vorläufig keine Fortsetzung. Dambach hätte gern weitergemacht. «Ich habe ein Konzept präsentiert, aber die Halle nicht mehr erhalten», bedauert Dambach. Sein Ansprechpartner Marc Zimmermann nennt als Hauptgrund den «Zielkonflikt mit der TIF-Schule, an die wir unsere Plätze vermietet haben». Zudem sei der Aufwand des Restaurants gross und der Ertrag klein gewesen. Wie auch immer. Dambach schaut sich weiter um – und führt vom 6. bis 13. August bei OB ein internationales 14&U-Event durch. Er will so die gesammelten Erfahrungen nutzen.Und er, der am Crossklinik Open heute um 17 Uhr in Aesch spielt, wird dann Spieler begrüssen, die nun an Pfingsten seine Gegnersein könnten. 

Glücksfall Marco Chiudinelli. Vor Jahresfrist nahm der Profispieler aus dem Baselbiet am Crossklinik Open teil – und gewann die Konkurrenz. Foto Lucian Hunziker

 

 

 

12. Int. Crossklinik

Tennis Open Basel

Was? Internationales Tennisturnier mit je zwei

Konkurrenzen für Männer und Frauen (N1–R2

und R2–R6) mit insgesamt 317 Nennungen und

30 000 Franken Preisgeld – 6000/2800 für Sieger/Finalist,

4200/2100 für Siegerin/Finalistin

der Hauptkonkurrenzen; 1000 (Männer) resp.

750 Franken (Frauen) für die Siege in den R2/

R6-Tableaux; Preisgeld ab Viertelfinals.

Wann? Freitag ab 14 Uhr, Pfingstsamstag ab

8 Uhr, Sonntag ab 10 Uhr, Montag um 8.30/9 Uhr

Halbfinals Frauen; 10/11 Uhr Halbfinals Männer;

ab 13 Uhr Finals Frauen und Männer.–Die ersten

Auftritte der topgesetzten Hugo Dellien

(Bolivien) und Nastasa Zoric (Serbien) sind am

Samstag um 9.30 Uhr auf Old Boys respektive

11 Uhr auf BLTC vorgesehen.

Wo? Tennisplätze des Basler LTC (Gundeldingerstrasse

1a), Old Boys (St.-Galler-Ring 225),

Riehen (Grendelmatte), Tennis an der Birs Aesch

(Industriestrasse 151).–Bei schlechter Witterung

Dislokation nach Aesch und Allschwil

(Paradies und Vitis). – Infos: Turnierbüro

(061 272 69 42) und www.int.crossklinikcup.ch

oder www.swisstennis.ch, Turnier Nr. 100234). –

Freier Eintritt.

 

 

 

2015-05-26 Zeitungsbericht aus der BAZ

Marco Chiudinelli und der Heimvorteil

Der Lokalmatador prägt das 11. Crossklinik-Open Basel und holt sich den Titel

Von Beat Caspar

Basel. Kommt er oder kommt er nicht? Er kam, sah und siegte. Marco Chiudinelli ziert fortan den Palmarès des Crossklinik Tennis Open Basel. Emotion pur für die Chefs des traditionellen Pfingstanlasses, Kurt und Steven Schudel, Letzterem bricht bei der Sieger¬ehrung vor lauter Rührung die Stimme. Auch der 33-Jährige selber ist nach dem Triumph nahe am Wasser, wie er bei seinen Dankesworten an Organisation und das sehr zufriedene Publikum sagt. «Wenn ich schon komme, so war es mir sehr wichtig, das Turnier zu gewinnen.»

Der als Nummer 3 gesetzte Lokal¬matador verwirklichte sein Vorhaben im sechsten Einzel innert drei Tagen, in dem nach einem sintflutartigen Platz-regen über dem Margarethenhügel vom BLTC auf OB verlegten Titelkampf. Er dominierte den als Nummer 5 gesetzten, im Ranking von Swiss Tennis direkt hinter ihm auf Platz 6 geführten Raphael Lustenberger aus Luzern mit 6:3, 6:2. Davor hatte er beim wegen Regen unterbrochenen 6:4, 7:5 im Halbfinal gegen Robin Roshardt, Turniersieger 2011, noch eine Spur härteren Widerstand überwinden müssen.

5600 Franken Preisgeld

Im Vorfeld und im Anfangsstadium des Turniers mit fast 300 Teilnehmern in vier Konkurrenzen und jeder Menge unterhaltsamem Tennissport hatte sich alles um die Frage gedreht, ob Chiudinelli rechtzeitig in Basel eintreffen würde. Nun, er schied in Eskisehir (Tür) bei seinem ersten Challenger-Turnier nach der Ellbogenoperation im Dezember am Freitag im Einzel-Viertelfinal und Doppel-Halbfinal aus und schaffte es nach nicht einfacher Reise aus der türkischen Provinz zurück in seine Heimatstadt. Ein leichter Spaziergang war das mit 30 000 Franken Preisgeld dotierte Turnier schon allein wegen des Schlafmankos nicht.

5600 Franken Preisgeld trösteten Chiudinelli über das ärgerliche Ausscheiden in der Türkei hinweg. Was etwas schmerzt, sind die entgangenen ATP-Punkte. Die 80 für den Sieger von Eskisehir hätten Chiudinelli über 100 Ränge vorwärts gebracht. Er selber meinte dazu: «Ich wäre gerne über die Viertel¬finals hinausgekommen. Nun habe ich das Bestmögliche aus der Situation gemacht und viel Matchpraxis bekommen. Die vier Partien ab Sonntag waren genau das, was ich zur Zeit brauche.»

Der Rechtshänder macht jetzt drei Tage Pause. Dann folgen vor der Stuttgart-¬¬Qualifikation zehn Tage Aufbautraining. Er freut sich auf den Wechsel auf Rasen und hofft, auch in der Qualifikation für das in die 500er-Kategorie aufgestiegene «Mini-Wimbledon» in Halle unterzukommen. Was jetzt schon sicher ist: Dank seinem geschützten Ranking wird er in der Wimbledon-Qualifikation sicher dabei sein und dort auf eine Überraschung hoffen.

 

Ohne Probleme. Chiudinelli gab bei seinem Turniersieg keinen Satz ab. Foto L. Hunziker